Projekt Detached Concern

Das Projekt Detached Concern beschäftigt sich damit, wie Emotionsregulation – also der Umgang mit Gefühlen in der anspruchsvollen und nahen Zusammenarbeit mit KlientInnen (PatientInnen, BewohnerInnen, SchülerInnen, KundInnen) gelingen kann. Es geht uns letztlich darum, den Arbeitsalltag und das Wohlbefinden von Beschäftigen und KlientInnen zu unterstützen. Detached Concern ist eine Strategie zum erfolgreichen Umgang mit den Gefühlen in der Arbeit mit KlientInnen, bei der es darum geht, eine Balance zu finden zwischen empathischer Anteilnahme und Abgrenzungsfähigkeit.

Der englische Begriff „Detached Concern“ lässt sich am Besten mit „distanzierter“ oder „nicht anhaftender Anteilnahme“ übersetzen. Es ist also im gefühlsreichen Berufsalltag mit KlientInnen wichtig, empathisch zu sein und sich einfühlen zu können, es braucht jedoch auch eine gewisse Abgrenzung vor zu starker persönlicher Beteiligung, damit die Arbeit nicht zu belastend wird. Wir untersuchen die längerfristigen Auswirkungen verschiedener Formen von Detached Concern auf die Gesundheit und Arbeitszufriedenheit von Beschäftigten in Sozial- und Gesundheitsberufen. Außerdem interessiert uns, wie Zeitdruck oder soziale Unterstützung in der Arbeit eine Balance von Anteilnahme und Abgrenzungsfähigkeit fördern oder behindern können.

Das Projekt wird gefördert durch: Universität Innsbruck, Forschungsförderung der Nachwuchsförderung

Projektlaufzeit: 18 Monate

Projektende: Herbst/Winter 2016

 

Projektteam:

Dr. Bettina Lampert (Projektleitung)
Mag. Christian Seubert
Mag. Cornelia Strecker
Dr. Christine Unterrainer
Yannick Wiberg, BSc

 

 

Das Projekt Detached Concern ist nun erfolgreich zu Ende geführt worden. Wir beforschen Detached Concern weiterhin mit großem Interesse und freuen uns auch über Ihr Interesse!

 

Wenn Sie Fragen oder Anregen haben, schicken Sie uns eine E-Mail oder rufen Sie uns einfach an!

eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Tel.: +43 512 507 -56032

 

 


Emotionen bewegen die Arbeit – die Arbeit mit Emotionen.

Belastende wie auch förderliche Arbeitsbedingungen am Arbeitsplatz haben einen wesentlichen Einfluss auf unsere Gesundheit. Gerade für MitarbeiterInnen in sozialen und gesundheitsbezogenen Berufsfeldern tritt eine zusätzliche Anforderung in den Vordergrund: der emotional sehr anspruchsvolle Kontakt mit KlientInnen (PatientInnen, BewohnerInnen, SchülerInnen, KundInnen), der auch zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann.

Wichtig ist, wie wir – sowohl privat als auch im Arbeitsleben – mit unseren Gefühlen umgehen, da dies unser Handeln, unsere sozialen Beziehungen und unsere Gesundheit wesentlich beeinflusst. In der Arbeit mit KlientInnen hängt davon auch die Versorgungs- und Servicequalität, sowie das Wohlbefinden von Beschäftigten und KlientInnen ab. Wie können wir also belastende Emotionen so regulieren, damit wir weder uns selbst noch anderen schaden? Speziell in der Arbeit mit hilfsbedürftigen Menschen und durch die Nähe zu den KlientInnen sind Beschäftigte nicht nur gefordert, aktiv die eigenen Emotionen zu kontrollieren, sondern auch auf die Gefühlslage der KlientInnen einzugehen, damit die Arbeit für beide Seiten gelingt.

Das richtige „Wie“ im Umgang mit den eigenen Gefühlen zu finden ist jedoch keine leichte Aufgabe, denn verschiedene Strategien der Emotionsregulation können je nach Person, Kontext und Ziel mehr oder weniger nützlich sein. In der Arbeit mit KlientInnen kann Detached Concern als eine gelingende Form von Emotionsregulation gesehen werden.

Empathie und Abgrenzung im Einklang – die Herausforderung, eine Grenze zu ziehen, um aus der Arbeit mit Menschen zu schöpfen anstatt sich zu erschöpfen.

Im fordernden Berufsalltag werden Beschäftigte immer wieder mit Ereignissen konfrontiert, die sie persönlich bewegen und ihnen „nahe“ gehen. Hierzu zählen besonders auch schwierige zwischenmenschliche Situationen in der Zusammenarbeit mit KlientInnen (z.B. unzufriedene oder vorwurfsvolle KlientInnen, KlientInnen die sich nicht an Abmachungen halten, leidende PatientInnen, besonders bewegende PatientInnen), welche professionell gemeistert werden sollten. Empathie und Abgrenzung sind hier wesentliche Elemente, um mit eigenen und den Gefühlen der KlientInnen in der Arbeit umgehen zu können.

Die empathische Anteilnahme stellt einen wertvollen Schlüssel dar, um sich in KlientInnen einfühlen und mit ihnen arbeiten zu können. So stärkt beispielsweise empathisches Verhalten die Beziehungsqualität zwischen SchülerInnen-LehrerInnen, fördert die Lernmotivation und verringert das Konfliktpotential. Im Kontakt mit PatientInnen wird z.B. die medizinische Behandlung, Versorgungsqualität oder KlientInnenzufriedenheit maßgeblich beeinflusst.

Neuere Forschungsergebnisse zu Detached Concern zeigen, dass es wichtig ist, die empathischen Anteilnahme in Verbindung mit derAbgrenzungsfähigkeit der Beschäftigten zu betrachten:

  • Ist etwa die Empathie auf Seiten der Beschäftigten sehr hoch, gekoppelt mit einer fehlenden oder geringen persönlichen Abgrenzungsfähigkeit, so birgt dies ein erhöhtes Risiko, sich zu stark emotional zu beteiligen bzw. betroffen zu sein. Fehlt also dieses gewisse Maß an Abgrenzung – etwa durch eine Überidentifikation mit den KlientInnen – läuft man Gefahr, z.B. nach der Arbeit nicht mehr gedanklich Abschalten zu können, sich gereizt oder erschöpft zu fühlen und damit langfristig das eigene Burnoutrisiko zu erhöhen.
  • Auf der anderen Seite birgt eine zu starke Abgrenzung zum Klienten/-in, verbunden mit geringer Empathie, das Risiko, im Kontakt mit KlientInnen abzustumpfen, KlientInnen zu meiden und seine Arbeit nicht mehr als erfüllend zu erleben. Davon betroffen sind nicht nur die HelferInnen, sondern auch KlientInnen: Aus der Abwendung von HelferInnen entwickelt sich Unzufriedenheit bei den KlientInnen, die bis hin zum Abbruch der Zusammenarbeit führen kann.

Anhand dieser Beispiele tritt die Bedeutung einer Balance zwischen empathischer Anteilnahme und persönlicher Abgrenzung zu den KlientInnen klar zutage – und ebendies meinen wir mit „gelingendem Detached Concern“. In früheren wissenschaftlichen Studien konnte bereits nachgewiesen werden, dass ein erfolgreiches Ausbalancieren von Empathie und Abgrenzung förderliche Wirkungen entfaltet auf:

  • das mentale Wohlbefinden der MitarbeiterInnen,
  • das Gefühl, in seiner Arbeit etwas zu bewirken und
  • ein gesundes Abschalten von den KlientInnen nach der Arbeit.

Von besonderem Interesse in diesem Forschungsprojekt ist für uns, wie sich eine gelingende Balance, aber auch ein Ungleichgewicht von Empathie und Abgrenzungsfähigkeit über die Zeit hinweg verändert und welche Auswirkungen dies auf das Wohlbefinden der Beschäftigten hat. Weiterhin untersuchen wir die Bedingungen, unter denen es über längere Zeit gelingt, eine Balance im Arbeitsalltag zu erhalten, und welche Bedingungen eine Balance eher behindern. Hier spielen insbesondere belastende Arbeitsbedingungen (z.B. Zeitdruck) und Ressourcen (z.B. soziale Unterstützung, Autonomie) eine wichtige Rolle.